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01 Juni 2026

Remagen - Sinzig - Bad Breisig - Mai 2026 - Reisetagebuch

 

Mit dem Deutschlandticket kommt man leicht herum - und ich reise jetzt ein wenig systematischer als früher. Ich fasse hier 3 Reiseziele zusammen, weil sie wie Perlen aufgereiht, direkt hintereinander am Rhein liegen: Remagen, Sinzig(Rhein), Bad Breisig (mit Oberbreisig)

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1. In Remagen besuche ich dieses Mal NICHT den "Apollinaris-Berg" von nach 1100 mit Umbauten aus dem 19. Jahrhundert und einer von diesen neuen katholischen ordensähnlichen Gemeinschaften, wo sich auch ein Familien-Mausoleum einer Adelsfamilie befindet.  Apollinaris-Reliquien gibt es auch in Düsseldorf, St. Lambert und natürlich in Ravenna "Sant Apollinare  in Classe", denn der hl. Apollinaris wird dem Umfeld der Apostel - eventuell Petrus-Schüler? -  zugerechnet und wurde deshalb früher hoch verehrt.  Ich besuche stattdessen die ALTE HAUPTKIRCHE, St. Peter und Paul,  - im sogenannten "spätromanischen Übergangsstil", der, wie ich vor kurzem bei meinem ersten Besuch in Andernach gelernt habe, von der KAISERLICHEN PARTEI bevorzugt wurde, während bürgerliche Stände und geistliche Territorien schon GOTIK bauten.

Danach wandere ich am Rhein entlang zur durch den Kriegsfilm "Die Brücke von Remagen" berühmten - zerstörten  - Ludendorf-Brücke, gebaut im ERSTEN WELTKRIEG für den Nachschub. In den linksrheinischen sehr massiven Hauptpfeilern auf der Remagener  Seite ist jetzt ein "Friedensmuseum" - aber ich kann dieses mißbrauchte Wort nicht mehr hören, jetzt, wo die deutsche Regierung schon wieder die Leute in den nächsten grossen Krieg TREIBT.

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2.  Ich wollte aber an sich eine KREUZRELIQUIE in Bad Breisig besuchen - ich finde öfter mal fast vergessene Kreuzreliquien -, erwische aber den Zug nach Koblenz auf der falschen Rheinseite, wechsle über Bonn-Beuel auf die andere Rheinseite  und entschliesse mich SPONTAN, in SINZIG auszusteigen, weil ich nämlich nicht genau genug vorbereitet hatte und deshalb nicht wußte, daß Bad Breisig die nächste Station hinter Sinzig gewesen wäre.

Sinzig im Mai ist heuer nicht übertrieben betriebsam - um nicht zu sagen: ausgesprochen ruhig. Ich schlender drauflos und werde von einem AUFFÄLLIG aussen angemalten Kirchenbau angezogen. Man steigt dort eine TREPPE hinauf, wo ein sehr eindrucksvolles - weil auch ziemlich grosses - Kriegerdenkmal ist. Oben angekommen finde ich einen TYPISCHEN Marktplatz mit einem Rathaus (einem ehemaligen Schloß?) und die Kirche, die im "rheinisch-spätromanischen Mischstil" oder "Übergangsstil" - wie auch in Neuss, St. Quirin  -  gebaut ist, was, wie ich kürzlich in Andernach gelernt habe, ein Indiz ist, daß es sich um eine KAISERLICHE Stadt handelt. Gotik wird ZEITGLEICH gebaut, ist dann aber eben NICHT-KAISERLICH orientiert.

Weil ich im Wallraf-Richartz-Museum die Etage mit der religiösen Malerei jetzt schon 3mal gesehen habe, fällt mir auf, daß das ALTARBILD und ein weiteres grosses - eventuell barockes - Gemälde eine UNGEWÖHNLICHE QUALITÄT haben, ebenso wie einige wenige, aber gediegene Figuren der Innenausstattung.

Auch die Orgel fällt mir wegen der "spanischen Trompeten" auf. 

Ich denke bei mir: Was für ein Schatzkästlein - und trete den Rückweg an. Dabei fallen mir 3 KAISERSTATUEN auf mit der Krone des "heiligen  römischen Reiches Deutscher Nation" - und bei einer ist eine Tafel mit Erklärungen, so daß man leicht erfährt: Gemeint ist FRIEDRICH BARBAROSSA, der  öfter in Sinzig war, was mich erstaunt, obwohl Sinzig an der alten Krönungsstrasse - über Düren -  liegt, welche die in Frankfurt gekrönten Kaiser bei ihrem Antrittsbesuch in Aachen benutzten.

Auf dem Rückweg fallen mir "Kollonaden" eines Gartens auf, wie man sie in der Antike und in Italien kennt, denn da ist noch ein Gebäude, das ich ausgelassen hatte. Es stellt sich heraus: Die hatte man im 19. Jahrhundert gebaut auf der Fläche des ZEHNTHOFES, etwas unterhalb der Kirche, wo man RÖMISCHE STEINE aufgestellt hat einer römischen VILLA RUSTICA, wo vermutlich Hilfstruppen aus Thrakien (Donaugebiet, teilweise heutiges Rumänien und Bulgarien) bis zum 2. Jahrhundert n.Chr. eingesetzt waren.

Den Tafeln beim ZEHNTHOF  ist zu entnehmen: Schon König Pippin hat den ZEHNTHOF als sogenannten "Königshof" genutzt, bis dieser dann zur Zeit Kaiser Barbarossas eine KÖNIGSPFALZ geworden ist.

Weshalb Sinzig heute sich selbst manchmal "Barbarossa-Stadt" nennt.

Der KNÜLLER kommt  aber erst, als ich wieder zuhause die ORGEL von Sinzig recherchiere. Das ist nicht nur eine WALCKER-Orgel, sondern es ist eine EXPERIMENTELLE ORGEL der 70iger-Jahre, wo etliche ABERWITZIGE "Aliquot-Register" mit den SELTSAMSTEN Oberton-Mischungen eingebaut worden sind, was die Sinziger Orgel bis heute zu einem Anziehungspunkt für KONZERTREIHEN mit NEUER MUSIK macht.

Der grösste GECK der Sinziger Orgel ist aber vielleicht, daß sie einige Klangregister besitzt, so daß man Musik aus der Epoche der US-amerikanischen Kino- und Kaufhausorgeln fast klangecht spielen kann. 

Kurzum: Die Sinziger Orgel ist WITZIG und KURIOS - und ich füge eine Video von dem englsichen Organisten FRASER GARTSHORE  ein, der ganz wnderbar demonstriert, was in der kleinen Klangmaschine  alles drin steckt. 

video-title:  Wie Crazy Ist Diese Orgel? Einmalige Orgel in Sinzig! - channel: Fraser Gartshore - URL https://www.youtube.com/watch?v=0IZmg5hF0N0


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Damit ist meine Sinzig-Story aber noch nicht zu Ende! Denn: DIESE Orgel wurde in 1972 entworfen von PETER BARES, daselbst Organist und Weinkeller-Besitzer zu Sinzig - Lieblingsspruch: "Haste Bares, biste flüssig!" -, und Improvisator und Komponist sogenannter "Neuer Musik", angeblich mit einem riesigen Haufen von 3000 eigenen Werken, die gröstenteils nicht publiziert wurden.

Peter Bares - Wikipedi DE URL  https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Bares - Nachlass in Staatsbibliothek Berlin URL https://staatsbibliothek-berlin.de/die-staatsbibliothek/abteilungen/musik/sammlungen/bestaende/nachlaesse/bares-peter - ist mit etlichen Improvisationen in youtube zu finden, die allerdings derartig viele "schräge Töne" haben, daß mir fast blitzartig klar wurde:

Peter Bares - inzwischen schon verstorben -  das ist EXAKT einer von diesen EXPONENTEN der sogenannten MODERNE, dem ich MEINE Orgelmusik überhaupt gar nicht erst vorlegen bräuchte. Wie soll ich höflich sagen: SOLANGE DIESE SORTE von EXPONENTEN DER MODERNE - darunter auch Gottlieb Blarr aus Düsseldorf, mit dem  ich in einer Chorsaison an der Maxkirche einige Male  immerhin physisch im selben Raum war, ohne mich allerdings überhaupt um Kontakt  zu bemühen -  noch massgebend ist, VERZICHTE ich dankend auf eine berufliche Laufbahn als C-Organist, die ich immerhin einmal als Alternative in Betracht gezogen hatte.

DAS PASST NICHT - und was Gott nicht verbunden hat, soll der Mensch getrennt lassen! Bitte überzeugen Sie sich selbst!

Buike - Category church-organ - URL  https://sites.google.com/view/bbuike99/buike-music/buike-music-categories/organ-church

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3. Am ungewöhnlichsten aber fand ich Bad Breisig (mit einer ECHTEN Thermal-mineral-Römer-Therme, wo sogar ARSEN enthalten ist, weswegen das Publikum angehalten wird, davon nur WENIG und in KLEINEN Nipp-Bechern zu trinken).

Bad Breisig ist der Zentralort einer untergegangenen TEMPLER-Kommende (die heute ein Restaurant ist)  und diese Templer haben aus dem Heiligen Land eine ECHTE KREUZRELIQUIE vom WAHREN KREUZ CHRISTI mitgebracht, das seit ungefäh 1400 in einem relativ kleinen SILBERKREUZ aufbewart wird, und zwar in (Unter-)Breisig in der Kirche St. Maria. Aus diesem Grunde wird in Breisig bis heute das Fest KREUZERHÖHUNG (von der Wiedeauffindung des Christus-Kreuzes durch die Kaiserinmutter Helena) besonders gefeiert, das, nebenbei gesagt, auch ein STIFTUNGSFEST des DEUTSCHEN (Ritter.)Ordens ist - OT = Ordo Teutonicus, der heute in WIEN seinen Hauptsitz hat - nicht in Rom - und in Österreich bis heute verbunden ist mit einer Militäreinheit, und zwar dem Jägerbataillon "Hoch- und Deutschmeister".

Wikipedia DE - St. Marien (Niederbreisig) - URL https://de.wikipedia.org/wiki/St._Marien_(Niederbreisig)

Stichwort: "Breisiger Ländchen" - heute eine professionell erschlossene Region mit Wanderwegen und "total romantischen" Aussichten auf den Rhein -  (zuletzt zu einem Damenstift in Essen gehörend, also wahrscheinlich eher der heutige Domkomplex - nicht aber Essen-Werden!) - in: Wikipedia DE - Bad Breisig - Kapitel: Geschichte - URL https://de.wikipedia.org/wiki/Bad_Breisig#Geschichte

Das wirklich für mich überraschende ist: In St. Maria in Bad Breisig ist die ALTE AUSSTATTUNG mit Figuren und HOLZ-ALTÄREN erhalten geblieben.

NICHT zur alten Ausstattung gehört aber eine ALTE ORGEL, der Orgelprospekt - die Vordeansicht - nur alt und original aussieht, aber NICHT aus Bad Breisig stammt. Es handelt sich vielmehr um eine Orgel aus AURICH in Ostfriesland, die auch den Namen hat "Constabel-Orgel" und die man für ungefähr 700.000 Euro renoviert und modernisiert hat.

Na klar: Wenn soviel Geld ausgegeben wurde, dann muß man auch unbedingt eine "Orgelmusik-Reihe" als Veranstaltungsreihe haben - schon wegen der Weltbedeutung des NORDDEUTSCHEN BAROCK in der Orgelmusik, was eine evangelische Angelegenheit ist, so daß diese Orgel historisch - irgendwie - verknüpft ist mit einer Orgel ähnlichen Bautyps aus derselben Erst-Werkstatt in Trondheim/Norwegen.

Ich bringe jetzt Klangbeispiele zu der Orgel in St. Marien in Bad Breisig - um zu so zurückhaltend wie möglich anzudeuten, daß man DIESEN KLANG nicht mit Silbermann-Orgeln verwechseln kann! 

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Toccata d-Moll/D-Minor BuxWV 155, Sven Scheuren, Constabel-Orgel Bad Breisig, Dietrich Buxtehude - youtube URL https://www.youtube.com/watch?v=IkAo_T02sYE&list=RDIkAo_T02sYE&start_radio=1

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Bad Breisig: Norddeutsche Orgel in St. Marien mit Esther von Krosigk und Sven Scheuren - youtube 19.12.2024 - URL https://www.youtube.com/watch?v=UCxORn7O57Q 

 


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Für mich war aber VIEL interessanter die Kirche St. Viktor in Oberbreisig. (Viktor von Xanten und dessen Gefährten aus der sogenannten "thebäischen Legion" - Christen und Märtyrer des römischen Heeres, die von Theben/Ägypten nach Südfrankreich und an die Rheingrenze versetzt worden waren) Denn: In dieser KLEINEN und ebenfalls im "spätromanischen Übergangsstil" gebauten Kirche gibt es a) eine Michaels-Figur und ein Christopherus-Fresco und b) etliche RESTE einer ALTEN WAND-AUSMALUNG. Oder etwas anders formuliert: In St. Viktor sieht man DEUTLICH, daß das heute bevorzugte "klinische Reinweiss" an katholischen Kirchenwänden NICHT URSPRÜNGLICH ist, sondern sich erst seit der lutherischen REFORMATION ausgebreitet hat, und zwar THEOLOGISCH "begründet" durch Luthers eigene Abneigung gegen "ABLENKUNG durch Bilder", womöglich noch mit HEILIGENDARSTELLUNGEN einer von Luther als atavistisch abgelehnten Heiligenverehrung.

 Wikipedia DE - St. Viktor (Oberbreisig) - URL https://de.wikipedia.org/wiki/St._Viktor_(Oberbreisig)

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4. Es gibt etwas, was Remagen, Sinzig und Bad Breisig verbindet. Dort ist eine GELÄNDEFORMATION mit dem alten Flurnamen "Goldene Meile" - und in dieser Rheinuferzone hatten die Westalliierten nach Ende des Krieges in 1945 einige Monate eines der "RHEINWIESEN-Gefangenenlager", und zwar mit einer Belegungszahl von 169.000  deutschen Kriegsgefangenen, nämlich a) unter freiem Himmel und b) mit einer sagenhaften "sanitären Situation", verknüpft mit einer durchaus absichtlich wenig üppigen Versorgungslage.

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5. Schluß: Manchmal werde ich gefragt: Was soll diese Reiserei zu kleinen Orten mit alten Kirchen und Königshöfen. Worauf meine Antwort ist: Erstens bin ich Privatgelehrter im Felde der Geschichtswissenschaft und zweitens kann man mit seinem nicht verbrauchten Geld VIEL SCHLIMMERES tun, wie ich nicht nur vermute, sondern sogar befürchten möchte! 

Buike Science And Music

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